Schreiben lernt man. Das ist nicht angeboren.

Willkommen zu einem praktischen (und vollkommen unvollständigen) Leitfaden, der dich hoffentlich weiterbringt. Hier gibt es keine überflüssigen Floskeln oder plumpen Verkaufsmaschen, sondern ehrlich geteilte Erkenntnisse. 

Der wichtigste Tipp zuerst: Schreiben kann, wer schreibt. Je mehr man übt, es zu seinem Hobby werden lässt und die Welt mit einem Stift in der Hand sieht, desto einfacher wird es. Diese Tipps können eine kleine Hilfe sein, aber sie ersetzen kein Herzblut. :)
Auch ich lerne jeden Tag und mache genauso viele Fehler, wie alle anderen. Ohne Strukturen und Leitlinien geht es nicht.
 

Eine kleine Übersicht:

a) Szenen, die überzeugen. 10 Hinweise für gute Atmosphäre.

b) Kreativität lernen - 11 Tipps, die ich selbst beherzige

c) Den inneren Schweinehund besiegen - 10 Tipps, damit das Wort fließt.

a) Szenen, die überzeugen. 10 Hinweise für gute Atmosphäre.

Lesezeit: 3 Minuten

  1. Setz den Leser an einen glaubwürdigen Ort.
    Ein Konzept oder eine Idee überzeugen nicht. Ein glaubhafter Ort schon. Wie etwa auf einen Stuhl, der knarzt, wenn man sich zurücklehnt. Bevor dein Leser dir irgendetwas glaubt, muss er wissen, wo er steht. Ob der Boden unter ihm Parkett ist oder sengender Asphalt im August - der einem beinahe unter den Füßen kribbelt, wie dir gerade, weil sich das Gehirn erinnert. Ob über ihm Neonlicht summt oder eine einzelne nackte Glühbirne an einem zu kurzen Kabel hängt.
    Wer nicht weiß, wo er ist, glaubt dir kein Wort.
  2. Schreib, als wärst du Kameramann.
    Stell dir jede Szene als Einstellung vor. Was zeigt die Kamera? Und vor allem: Was zeigt sie nicht? Nicht alles, was in einem Raum steht, verdient es, erwähnt zu werden. Aber die Kaffeetasse, die seit drei Tagen auf dem Schreibtisch steht, der braune Ring auf dem Papier darunter — die erzählt mehr über die Person als jede Beschreibung ihres Charakters.
    Entscheide, was das Bild verdient. Dann beschreib nur das.
  3. Gib deinen Figuren etwas, das sie wollen.
    Jeder Mensch in deinem Text braucht eine Richtung. Eine Absicht. Muss nicht groß sein. Jemand will den Raum verlassen. Jemand will das Gespräch beenden. Jemand will einfach nur, dass das Telefon aufhört zu klingeln.
    Intention erzeugt Spannung. Ohne Intention stehen deine Figuren nur rum. Und rumstehende Figuren liest niemand gern.
  4. Lass den Leser riechen.
    Geruch ist der Sinn, den fast alle vergessen. Und genau deshalb ist er so mächtig. Geruch umgeht das Denken, Geruch trifft direkt. Der Geruch von nassem Beton in einem Neubaugebiet. Billige Handcreme an kalten Händen. Frisch kopiertes Papier, noch warm. Eine Bäckertüte mit frischen Brötchen, die sich in der Küche verstecken und jeder, der den Flur betritt weiß, dass sie irgendwo liegen.
    Wenn du willst, dass jemand etwas fühlt, lass ihn riechen. Nicht nur sehen und hören. Riechen!
  5. Tempo ist Satzbau.
    Du willst Geschwindigkeit? Kurze Sätze. Punkt. Nächster Satz. Weiter. Dein Leser stolpert vorwärts, ohne Luft zu holen.
    Du willst den Moment dehnen, eine Szene ausbreiten, willst, dass der Leser langsam durch den Raum geht, sich umsieht, die Hand über die raue Oberfläche des Holztisches gleiten lässt und dabei das Muster im Holz betrachtet — dann bau Schachtelsätze, die sich winden und nicht aufhören wollen, bis die Szene steht.
    Beides muss bewusst passieren. Wer zufällig schnell schreibt, hat kein Tempo. Wer zufällig langsam schreibt, ist langsam.
  6. Licht erzählt die halbe Geschichte.
    Konspirativer Schatten, der die Augen tiefliegen lässt, weil die Deckenlampe direkt von oben kommt. Warmes, melancholisches Licht durch einen Vorhang am späten Nachmittag. Blaues Bildschirmlicht um drei Uhr nachts auf einem müden Gesicht.
    Du musst nie schreiben, wie sich jemand fühlt, wenn du beschreibst, in welchem Licht er sitzt. Das Licht macht oft die Stimmung.
  7. Material schlägt Adjektive.
    Sag nicht „das alte Sofa". Sag „das Leder war rissig, an den Armlehnen speckig, und wenn man sich setzte, gab es ein Geräusch wie ein letzter Seufzer bevor die Eiche ihre Kraft verlor." Sag nicht „ein schöner Ring". Sag „dünnes Gold, so zart, dass man Angst hatte, es würde die Ehe nicht halten."
    Material gibt deinem Text etwas zum Anfassen. Adjektive geben ihm nichts. Adjektive sind faul. Material arbeitet.
  8. Mach Unwichtiges wichtig — damit das Unwichtige unwichtig bleibt.
    Ein Mann wartet auf eine Nachricht, die sein Leben verändert. Sein Telefon liegt auf dem Tisch. Er starrt es an. Und dann beschreibst du, wie er die Brotkrümel vom Frühstück mit dem Finger vom Tisch wischt. Einen nach dem anderen. Konzentriert. Als wäre das gerade das Wichtigste auf der Welt.
    Genau dadurch wird klar, wie unwichtig die Brotkrümel sind. Und wie unerträglich das Warten. Dass er womöglich neurotisch veranlagt ist und unter der Ungewissheit leidet. 
    Die kleinen, sinnlosen Handlungen zeigen, was die großen Dinge mit Menschen machen.
  9. Lass Geräusche deine Szenerie definieren.
    Ein Raum ist nie ganz still. Da tickt eine Uhr. Da brummt ein Kühlschrank. Da schleift ein Stuhlbein über Fliesen im Nebenzimmer. Geräusche sind der Hintergrund, auf dem deine Szene spielt. Ohne sie hängt alles in einem Vakuum.
    Und manchmal ist das Geräusch die Szene. Das Klicken eines Kugelschreibers in einem stillen Konferenzraum. Immer und immer wieder. Das ist kein Detail. Das ist eine Aussage.
  10. Hör auf zu erklären.
    Der größte Fehler: dem Leser sagen, was er denken soll. „Sie war nervös." Nein. Lass sie mit dem Feuerzeug spielen, obwohl sie nicht raucht. „Er war wütend." Nein. Lass ihn die Tür so leise schließen, dass es lauter ist als jedes Knallen.
    Dein Leser ist nicht dumm. Zeig ihm die Szene. Er versteht.

Kreativität lernen - 11 Tipps, die ich selbst beherzige

Lesezeit: 3 Minuten

  1. Ich setze Prioritäten – Social Media kann warten
    Soziale Medien sind wunderbare Ablenkungen, die uns glauben lassen, wir tun etwas Sinnvolles, während wir uns von der eigentlichen Arbeit entfernen. Der Clou: Ich nutze Plattformen wie Threads erst, nachdem ich an meinem Manuskript gearbeitet habe. Push-Benachrichtigungen? Deaktiviert! Wenn meine Liebsten mich erreichen können, reicht das völlig aus. Meine Produktivität dankt es mir jedes Mal.
  2. Ideenfindung ist für mich Arbeit, auch wenn sie wie Freizeit aussieht
    Ich habe oft eine Idee, weiß aber nicht sofort, wie ich sie zu Papier bringen kann. Dann lasse ich meinem Unterbewusstsein Zeit, diese Idee zu entwickeln. Ich gehe spazieren, pflege Hobbys oder genieße alltägliche Routinen – der kreative Funke springt irgendwann von allein über. Mein halber Roman ist zwischen alten Eichen und dem Gesang der Amseln entstanden.
  3. Die "Wüste der Mitte" überwinden
    Das erste Drittel eines Romans kann inspirierend sein, das letzte spannend, aber die Mitte ist für viele Schreibende das Ende. Diese Herausforderung ist nicht zu unterschätzen. Ich nehme mir kleine Schritte vor und erinnere mich daran, für mich selbst zu schreiben. Solange die Geschichte für mich spannend bleibt, ist das die beste Basis für ein gelungenes Buch.
  4. Ich schreibe für meine Leser:innen – aber auch für mich selbst
    Kreativität verlangt, dass ich meine Arbeit genieße. Ich schreibe keine „Filler“, sondern mache jede Szene zu einem zählbaren Erlebnis, das mich inspiriert und zufrieden stellt. Nur relevante Abschnitte gehören zu einer guten Geschichte. Wenn ich es schaffe, mich selbst über jede Szene hinweg zu begeistern, bleibt auch das Schreiben ein motivierender Prozess.
  5. Ich schalte meinen inneren Kritiker aus – zumindest beim Schreiben
    Der „innere Kritiker“ hat seinen Platz, aber nicht während des Schreibens. Die Bearbeitung kommt, wenn das Manuskript vollständig ist. Ich achte darauf, eine konsistente, kohärente und kongruente Story zu schaffen, die mir gefällt. Wenn ein Absatz nicht passt, streiche ich ihn ganz einfach und beginne neu. Perfektion kommt bei mir immer erst in der Revision, nicht im ersten Entwurf.
  6. Ich fand meine Methode: Plotting oder Pantsing
    Nicht jede:r ist ein „Pantser“ wie Stephen King, der einfach losschreibt. Ein Plot zu entwerfen und die Geschichte strukturiert vorzudenken, hilft mir, eine kohärente Handlung zu gewährleisten. Ich habe experimentiert, um meine Methode zu finden – es gibt kein „Richtig“ oder „Falsch“, nur das, was funktioniert.
  7. Ich vertraue auf mein Unbewusstes und lasse Assoziationen zu
    Wenn ich im Schreibfluss bin, tauchen neue Ideen, Charaktere und Details von allein auf. Ich gebe diesen Impulsen Raum, denn sie sind oft die Basis für unerwartete Wendungen, die meine Geschichte bereichern und einzigartig machen.
  8. Ich schaffe mir "Schreibräume"
    Kreativität braucht Struktur. Ich setze mir klare Grenzen und Ziele, innerhalb derer ich schreibe. Ich befreie mich von äußeren Einflüssen und lasse die Tasten tanzen. Schreiben ist Arbeit, aber es darf und soll auch Freude machen.
  9. Ich lese, was andere nicht lesen
    Ich lerne von anderen, vermeide es aber, ausschließlich die Bestseller-Liste abzuarbeiten. Stattdessen wage ich es, in Genres und Werke einzutauchen, die ungewöhnlich sind. Diese Texte inspirieren mich, erweitern meinen Horizont und eröffnen neue Perspektiven.
  10. Schlaf und Pausen sind Teil meines Prozesses
    Mein Gehirn braucht Zeit, um Geschichten und Strukturen zu verarbeiten. Schlafmangel und ausufernder Koffeinkonsum helfen mir nicht weiter. Stattdessen setze ich auf erholsame Nächte und gezielte Pausen. Manchmal inspiriert mich ein gutes Buch – ich lese außerhalb meines Genres und lasse mich von der Qualität und Technik anderer motivieren.
  11. ChatGPT und CO nur für die erste Recherche
    Man wird leicht verleitet, sie zu nutzen: GenAI, die einem jegliche Arbeit abnehmen soll. Doch damit helft ihr weder euch noch eurer Leserschaft. KI kann als Recherchetool hilfreich sein – aber nur unter der Bedingung, dass jede Information überprüft wird. Nicht selten spucken die Blechbüchsen Falschinformationen aus. Also: Recherche ja, aber nur mit einer Rückprüfung.

Abschluss
Wenn dir dieser Leitfaden gefallen hat, freue ich mich über dein Feedback. Schreib mir – aber erst nach deinem Schreibpensum! 😊

c) Den inneren Schweinehund besiegen - 10 Tipps, damit das Wort fließt.

Lesezeit: 3 Minuten

  1. Ich nehme meine Nebencharaktere ernst
    Auch Nebenfiguren sollten Tiefe haben. Ich lasse sie nicht nur als bloße Handlungsstützen existieren, sondern gebe ihnen individuelle Ziele, Ängste und Hintergrundgeschichten. Diese Details beeinflussen oft die Hauptfiguren und machen die Welt lebendiger.
  2. Ich setze "Dummy-Texte" ein
    Manchmal blockiert mich das perfekte Wort, das einfach nicht kommen will. In solchen Momenten schreibe ich ein „Dummy-Wort“, das die Lücke füllt. So bleibt der kreative Fluss erhalten, und später, beim Überarbeiten, finde ich das treffende Wort. Eine klare Markierung, wie etwa eine Kommentarblase, hilft mir dabei, die Stellen wiederzufinden.
  3. Ich entwickle einen Soundtrack für mein Buch
    Einige Szenen gewinnen durch Musik an Tiefe und Atmosphäre. Ich erstelle eine Playlist, die zur Stimmung des Buches passt, höre sie beim Schreiben und lasse mich davon inspirieren – manchmal eröffnet das unerwartete emotionale Nuancen.
  4. Ich schaffe mir ein Symbol – und ziehe es durch
    Ein Symbol oder Motiv, das sich subtil durch die gesamte Handlung zieht, verleiht meinem Text zusätzliche Tiefe. Das kann ein wiederkehrendes Objekt, ein Gedanke oder eine Farbe sein, die meine Hauptfigur immer wieder berührt. Solche Elemente bleiben Leser:innen oft länger im Gedächtnis.
  5. Ich schreibe „out of order“
    Wenn eine Szene in meinem Kopf besonders lebendig ist, schreibe ich sie auf, auch wenn sie nicht der Reihenfolge der Handlung entspricht. Ich halte mich nicht an eine lineare Abfolge. Der Rest der Geschichte fügt sich später oft organisch hinzu.
  6. Ich nutze „Writing Prompts“ als kreative Impulse
    Ein „Writing Prompt“ ist eine Anregung, über ein bestimmtes Thema zu schreiben. Diese Inspiration kann als Satz, kurzer Textabschnitt oder Bild dienen. Solche Impulse bringen frischen Wind in meinen Prozess, vor allem, wenn ich feststecke. Ich übertrage die Idee, die aus einem Writing Prompt entsteht, in meine Welt und passe sie an Figuren und Story an.
  7. Ich erzähle vom Unsichtbaren
    Nicht alles in einer Geschichte muss sichtbar oder greifbar sein. Ich beschreibe atmosphärische Details, wie ein vages Gefühl oder eine Erinnerung, die etwas Entscheidendes aussagen, ohne direkt darauf einzugehen. Das schafft eine tiefere Ebene und fordert die Vorstellungskraft der Leser:innen heraus.
  8. Ich lasse mich vom Alltag inspirieren
    Reale Gespräche, Beobachtungen oder kleine Erlebnisse inspirieren mich. Jedes Erlebnis, ob trivial oder bedeutend, kann eine Szene oder einen Charakterzug bereichern. Ich notiere Eindrücke, Wortfetzen oder Gefühle. Oft ist es genau dieser kleine Funke, der ein Kapitel lebendig macht.
  9. Ich entwickle Routinen – aber breche sie regelmäßig
    Routinen fördern die Disziplin, aber manchmal erstickt zu viel Routine die Kreativität. Ich wechsle gelegentlich den Ort, die Zeit oder die Art des Schreibens. Schreibe ich einmal nur mit Stift und Papier oder an einem neuen Ort, setze ich oft überraschende Kreativität frei.
  10. Ich beobachte meinen Fortschritt – und feiere ihn
    Schreiben ist ein Marathon, und es ist leicht, sich im Laufe des Prozesses entmutigt zu fühlen. Ich halte fest, was ich erreicht habe, und feiere jede abgeschlossene Szene oder jedes Kapitel. Kleine Belohnungen und das bewusste Reflektieren über den Fortschritt motivieren mich für die nächste Etappe.
Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.